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aus dem Zyklus: archivalia
Krystyna Damar
: Album

 

Zwei Mal hat man es benutzt, zuerst nach dem Ersten, dann nach dem Zweiten Weltkrieg.
Und jetzt zum dritten Mal – als es ins Internet gestellt wurde.

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Elf dunkelbraune Blätter im Pappeinband (32 x 23 cm).
Wahrscheinlich stammt es aus einem deutschen, hastig verlassenen Haus.
Vielleicht lag es in einer durch Polen übernommenen Wohnung in Kattowitz,
vielleicht wurde es auf dem Flohmarkt gekauft.

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Von den ursprünglichen Fotos wurden lediglich zwei nicht durch neue überklebt:
Eines blieb unversehrt, das andere versuchte man abzureißen, ließ es aber kleben,
wohl deswegen, weil darauf kein Mensch zu sehen ist.

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Ich habe unter allen Fotos nach den Resten von vorigen geschaut.

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„Überstanden“ haben vier Gesichter. Und ein großer, kaum sichtbarer, schwarzer Hund.
Beim „Aufdecken“ eines jungen Mannes mit einem Gewächshaus im Hintergrund
zerriss das ihn verdeckende Foto.

Albumalbum

War es eine der zwei „entdeckten“ Frauen (es sei denn, es handelte sich um dieselbe Person),
oder auch der mit einem Spaten posierende Mann, die das Album damals angelegt hatten?
Und die verkleidete Gestalt? Ein Junge? Ein Mädchen?

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Mit Zylinderhut und Perücke, die Brille aus Papier,
eine Chrysantheme im Knopfloch, und ein Säbel in der Hand …
Und die Frage: Wer hat sein Gesicht so heftig durchgestrichen, und warum?

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Schwarz-weiße Fotografien, aufgenommen 1945-48, mit vielen Menschen.
Ein paar von ihnen wiederholen sich fast auf allen. Ich kannte vier.
Niemals ist es zwischen uns zu einem Gespräch über die damaligen Zeiten gekommen.

Album

Oktober 2014

© Text und Fotos: Krystyna Damar


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