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Maurizio Cattelan

Ausstellungsansicht

Sie stiegen diese Unmenge Stufen hinauf und erst ganz oben gelangt, direkt vor der Figur, lasen sie den Erklärungstext im Begleitheft. Dort stand, dass die hyperrealistische Darstellung einer jungen Frau, die sich an der Türrahmen mit Händen hält, ein Zitat eines Fotos (Selbstporträts) der früh verstorbenen Künstlerin Francesca Woodman sei, und weiter, dass dieses Werk von Maurizio Cattelan an das Bild der Kreuzigung erinnere, und dass sich die Arbeit eigentlich davon nähre, dass die Kunstbesucher sie mir dem Kreuzigungsbild identifizierten.

Da die beiden in den Begleitheften Lesenden den anderen Besuchern den Blick auf das Werk nicht verstellen wollten, standen sie an dessen beiden Seiten - bestimmt nicht absichtlich - wie Maria und Johannes unter dem Kreuz. Die Frau merkte, dass sie fotografiert wurde, änderte aber ihre Position nicht. Dann, am Ausgang, tauschten wir ein Lächeln aus.

„Die Figur“, sagten wir danach, „ist eigentlich kein formales, wie es im Begleitheft heißt, Zitat, sondern vielmehr ein Denkmal für die Fotografin Francesca Woodman. Cattelan hat in dem Kunsthaus Bregenz weitere Denkmäler errichtet: für unbekannte Tote (in Marmor), für die geliebten Hunde und auch, bei der Gelegenheit, für ein Küken. Diese Denkmäler erzählen nicht so sehr über den Tod, wie über dieses es-ist-schade, es-tut-uns-Leid-Gefühl. Es ist schade“, sagten wir, „dass Francesca Woodman keine Fotos mehr machen kann.“

Text & Foto: K. Damar & W. Sztaba, Februar 2008

Maurizio Cattelan
Kunsthaus Bregenz, 02.02.-24.03.2008

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